Es ist Sonntagmorgen, ich sitze am Schreibtisch und höre die Aufnahme meiner neuesten Komposition. »Youthful Reactions« heißt sie und erinnert mich an die Filmmusik von "Das Piano". Den Anfang bilden einige leicht stolpernde Moll-Akkorde, über die sich ein melancholischer Melodienlauf legt, der in der 45. Sekunde zusammen mit einigen dezenten, aber frischen Streichern im Hintergrund zu einem ersten Höhepunkt mit deutlich erkennbarem Thema wird. Allein, ich kann weder Klavier spielen noch Geige, noch beherrsche ich die Kunst der Komposition. Das alles haben Kreative Künstliche Intelligenzen übernommen. (Aus: Die kreative Macht der Maschinen, S. 85)

 

KI kann Musik komponieren und natürlich auch selbst vertonen. Die ersten überzeugenden Beispiele dafür reichen bis in die 1980er Jahre zurück, als David Cope mit seiner Software „EMI“ (Experiments in Musical Intelligence) Vivaldi und andere Komponisten von Maschinen nachahmen ließ. Heute gibt es von K-Pop bis Bach viele Beispiele. Insbesondere die Forscherteams von Google Magenta und Sony CSL arbeiten immer wieder mit Musikerinnen zusammen, um die Grenzen des Machbaren auszuloten. Im Folgenden findet Ihr eine Sammlung aktueller Beispiele.

Taryn nutzte einen Track aus der Amper-KI (hier als SoundCloud Link) als Vorlage, um daraus den Song „Break Free“ zusammenzustellen. Auch wenn die ursprüngliche Melodie gleich blieb, so hat die Musikerin dennoch außer Ihrem Gesang noch einiges hinzugefügt, so dass dies eine Mensch-Maschine Co-Komposition wurde:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/XUs6CznN8pw

 

Skygge „Hello Shadow“ und „Magic Man“ aus dem Album „Hello World“, das komplett mit Unterstützung der KI von Flow Machines produziert wurde. Alle basieren aus musikalischen Vorschlägen der KI, die dann noch von Musikern bearbeitet wurden.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?time_continue=29&v=QgD9y9aBhSc

 

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?time_continue=17&v=MG7YvFqD4zc

 

Kim Bo Hyung „Moonlight“, komponiert von der Jukedeck KI, aufgeführt im Februar 2018 in Korea. Jukedeck hatte koreanische Stars eingeladen, die Kompositionen der KI aufzuführen.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=oxCvRUAc7vg

 

Hier eines der ersten KI-Musik Projekte der Flow Machine von SONY CSL: Sie hat den Popsong „Daddy’s Car“ im Stile der Beatles ebenso komponiert, wie „Deep Bach“ den mehrstimmigen Choral im Stile J.S Bachs (die erste Stimme ist von Bach vorgegeben, der Rest wurde von Algorithmen recht überzeugend hinzu komponmiert.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/LSHZ_b05W7o

 

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=QiBM7-5hA6o

 

OK, das hier ist nicht wirklich meine Lieblingsmusik: Irish Folk. Dieses – von menschlichen Musikern gespielte – Stück ist einer von über 100.000 Folk Songs, die von einer Künstlichen Intelligenz von Bob Sturm (einem Professor am Centre for Digital Music, Queen Mary University of London) komponiert wurden. Die Notenblätter können hier bei Github heruntergeladen werden.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/YedcDs_-Zdc

 

David Cope ist einer der Urväter von Algorithmen Musik. Hier ein Stück im Stile von Vivaldi, komponiert von seiner Software EMI.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=2kuY3BrmTfQ