HolgersBlog

China und die USA rüsten massiv im Bereich der Bilderkennung auf. Damit gehen die Identifikation und Überwachung von Personen in Videofeeds in die nächste Runde. Denn die installierten Überwachungskameras bekommen nun Unterstützung  durch Bildanalyse mittels Künstlicher Intelligenz. Das hilft, die Videos der Millionen installierter Kameras sogar in Echtzeit zu untersuchen.

„Für die Wahrnehmung und Analyse von Bildern gibt es global einen enormen Markt. Denn unsere Welt hat sich zu einem gigantischen Bildarchiv entwickelt: Jeden Tag werden 100 Millionen Bilder alleine über Instagram hochgeladen, bei Facebook sind es über 60 Millionen, bei YouTube sind es täglich über 430 000 Stunden Videomaterial. Hinzu kommen die 24 Stunden Aufzeichnungen der mehreren Millionen Sicherheitskameras hierzulande, von denen allein 25 000 bei der Deutschen Bahn im Einsatz sind. Das sind so unvorstellbar große Bildmengen, dass sie für uns Menschen nicht mehr zu begreifen, zu betrachten und schon gar nicht zu analysieren sind.

Verbreitung von Überwachung durch KamerasHier kommen bildverstehende Maschinen ins Spiel. Sie haben gelernt, Bilder zu deuten, und können beispielsweise in Überwachungsvideos untypisches Verhalten von Passanten oder herrenlose Rucksäcke richtig deuten und gegebenenfalls Alarm schlagen. Auch die Analyse von Gesichtern in Bildern und Videos oder sogar die Auswertung und Zuordnung von Bewegungsmustern sind weit verbreitet in unserer sicherheitsbewussten Gesellschaft. Die Maschinen bei der Wahrnehmung von Bildern jeder Art zu schulen, hilft dabei, immer neue und bessere Analyseverfahren für die Interpretation von Bildinhalten zu entwickeln.“ (Aus: Die kreative Macht der Maschinen, S. 67f)

In China sind diese Analysen mittlerweile auch bei lokalen Polizeistellen angekommen. Während bislang die Polizisten anhand der Beobachtung und Überwachung von Videos eine Handvoll Verdächtige im Jahr entdecken konnten, sind es in einem Revier dank der KI des Unternehmens „SenseTime“ knapp 70 in nur einem Monat. Dabei hilft, dass das chinesische Unternehmen mittlerweile bereits 500 Millionen (!) Gesichter untersucht hat. Nach eigenen Angaben alleine 300 Millionen für einen einzigen Kunden.

In den USA ist die Geschwindigkeit der Entwicklung kaum geringer. Das Unternehmen „IC Realtime“ etwa arbeitet gerade an einer Art „Google für Videos“ in der Überwachung. Damit kann man live mit einfachen Suchanfragen nach Ereignissen suchen, die von den Kameras erfasst werden. Nach Ladendieben, die laut Zeugenaussagen eine bestimmte Tasche oder Jacke tragen, zum Beispiel. Da es sich bei beiden KI-Unternehmen um kommerzielle Firmen handelt, sind natürlich künftig auch andere Anwendungsbereiche denkbar: „Suche nach allen Menschen mit einer Patagonia-Jacke und schicke Ihnen das Adidas Promotion Team vorbei!“