HolgersBlogBR, Screenshot aus "Homo Digitalis"

Es ist kompliziert. Die meisten Roboter werden von Männern erfunden. Diese gestalten sie gerne nach ihren übertriebenen Vorstellungen von weiblichen Schönheitsidealen. Auch – und das ist das verkorkste – wenn diese Roboter gar nicht die Aufgaben einer Gespielin haben, sondern später beispielsweise an einer Hotelrezeption stehen sollen.

Vor kurzem konnte ich mich in Salzburg mit der außergewöhnlichen Sonophilistin Lisa Wölfl über die Gestaltung von Robotern unterhalten. Sie hat für einen ganz außergewöhnlichen Artikel bei Krautreporter untersucht, wieso männliche Ingenieure Roboter so gerne als sexy und dumme Wesen gestalten, selbst wenn deren Funktion nicht die einer Sex-Puppe ist.

Mark1 Roboter von Ricky MaDie entlarvende Antwort von Entwickler Ricky Ma, mit dem Lisa sprach: „Ich bin ein Künstler. Und wenn man die Wahl hat, ein normales oder ein wunderschönes Gesicht zu machen, wofür entscheidet man sich wohl?“ „Ich habe für den Roboter anderthalb Jahre gebraucht. Das ist eine lange Zeit. Damit ich an dem Projekt interessiert bleibe, ist es besser, etwas zu machen, was ich schön finde.“ Die sexy weibliche Puppe als Unterhaltungsobjekt des gestaltenden Mannes – was in dieser Industrie üblich ist, wirft leider kein allzu positives Licht auf das Männergeschlecht… Ganz anders gehen übrigens Frauen an die Robotergestaltung heran, wie Lisa in ihrem Beitrag ebenfalls berichtet.

Doch es bleibt die Frage: Wenn Roboter so aussehen, wie schöne Menschen, werden dann nicht irgendwann auch zwangsläufig erste Liebesbeziehungen zwischen Robotern und Mensch entstehen? Zu dieser Frage machen sich alljährlich Menschen in England Gedanken.

„In London findet jährlich eine Konferenz unter dem Titel »Love and Sex with Robots« statt. Dr. Kate Devlin, eine der Veranstalterinnen, ist der Meinung, »dass Roboter in Zukunft unsere Liebhaber werden könnten«. Sie sieht Parallelen mit den antiken griechischen Mythen, etwa zu Pygmalions Statue, die mit einem Kuss zum Leben erweckt wurde oder zu Hephaistos, der sich zwei goldene Dienerinnen schmiedete, um über seine untreue Frau Aphrodite hinwegzukommen. »Die Robotik gestattet es uns, alle möglichen Themenfelder ohne die Restriktionen unserer Menschlichkeit erforschen zu können. Eine Maschine ist wie eine neutrale Projektionsfläche, die es uns erlaubt, neue Ideen auszuprobieren.« (Aus: Die kreative Macht der Maschinen, S.130).

Weit hergeholt scheint das nicht zu sein. Der japanische Rentner Senji Nakajima hat zum Beispiel keine Lust mehr auf komplizierte menschliche Beziehungen und lebt deshalb mit einer Silikonpuppe zusammen. Er ist zwar verheiratet und hat zwei Kinder, schläft aber trotzdem neben seiner Puppe, mit der er auch einkaufen geht… Auch diese Puppe hat übrigens eine übertrieben süßlich-sexy-weibliche Gestaltung. Ihr wenigstens kann man zu Gute halten, dass sie nie an einer Hotelrezeption stehen soll, sondern von Anfang an nur als Sexpuppe gedacht war. It’s a men’s world!